Kunos Kuppel

Doppelrolle der britischen Regierung

4. Juli 2013 von Kuno Hämisegger

Aus der NZZ von gestern:

 

Im Wettbewerb mit Grossbritannien

Abzug von Noble aus der Schweiz könnte Nachahmer finden

Vor einigen Jahren sind mehrere amerikanische Grosskonzerne in die Schweiz geströmt. Vor allem Unternehmen aus dem Erdöl-Dienstleistungsbereich wie Noble Corp., Transocean, Weatherford und Foster Wheeler schlugen ihre Zelte in der Schweiz aus steuerlichen Gründen auf. Auch die Versicherungsgesellschaft ACE Group zog es in die Schweiz. Die Absicht der Noble Corp., nun ein Haus weiterzuziehen und den Hauptsitz vom Kanton Zug nach Grossbritannien zu verlegen, könnte zum Vorbild für andere Unternehmen der Branche werden.

Als einen Grund für den Umzug nennt die Firma das «gut etablierte Steuerregime» Grossbritanniens, das seit einiger Zeit mit attraktiven steuerlichen Angeboten lockt; angefangen mit sinkenden Unternehmenssteuersätzen über Vergünstigungen für Einnahmen aus Patenten bis hin zu abzugsfähigen Zinskosten. Dabei nimmt die britische Regierung angesichts ihrer Bestrebungen gegen aggressive Steuerplanung multinationaler Unternehmen eine Doppelrolle ein: Auf internationaler Ebene werden Steuererleichterungen anderer Länder bekämpft, während solche zu Hause eingeführt werden. Die Erfolge stellen sich jedoch ein, Grossbritannien zieht Unternehmenssitze an. So zog beispielsweise der Erdöl-Dienstleister Ensco 2010 von Delaware nach Grossbritannien. Ensco wies im vergangenen Jahr eine effektive Steuerbelastung von 17% auf, Noble eine von knapp 21%. Der Wegzug von Noble hängt aber nicht mit dem Auslaufen von Steuervergünstigungen in der Schweiz zusammen: Temporäre Steuererleichterungen hat Noble in Zug keine genossen. Denn laut Philipp Moos, stellvertretendem Amtsleiter der Steuerverwaltung Zug, hat der Kanton noch nie von dieser gesetzlichen Möglichkeit Gebrauch gemacht, weil der Standort ohnehin schon attraktive Rahmenbedingungen biete.

Es sind jedoch nicht nur Steueraspekte, die zu einer Abwanderung bewegen. Ein Dorn im Auge sind auch die Schweizer Bestimmungen, dass Dividendenausschüttungen, Aktienrückkäufe und Kapitalerhöhungen von der Zustimmung der Aktionäre abhängig sind. Zudem wirken regulatorische Verschärfungen wie etwa die Minder-Initiative abschreckend. Für kotierte Holdinggesellschaften in der Schweiz würden solche Überlegungen eher den Ausschlag für einen Wegzug geben als die erst in ein paar Jahren erfolgende Abschaffung der kantonalen Steuerregime, sagt Armin Marti, Steuerexperte bei PwC. Weitere Unternehmen könnten wegziehen, denn bereits bei der Ansiedlung der Firmen habe es eine Art Sogwirkung gegeben. Das Pendel könnte nun umschlagen – in diesem Fall etwa nach Grossbritannien.

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