Kunos Kuppel

China tritt ins amerikanische Privatkundengeschäft ein

14. Mai 2012 von Kuno Hämisegger

heute in der NZZ:

Ritterschlag für Chinas Grossbanken

Grünes Licht zum Einstieg in das US-Filialgeschäft

Die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) erhält von den US-Behörden grünes Licht zur Übernahme der US-Tochter der Bank of East Asia. Damit wird die ICBC das erste chinesische Finanzinstitut im amerikanischen Privatkundengeschäft. Norbert Hellmann, Schanghai

In geringem zeitlichem Abstand zu amerikanisch-chinesischen Wirtschaftsgesprächen in der ersten Maiwoche haben die US-Zentralbank Fed und das amerikanische Justizministerium der ICBC genehmigt, als Bankholding in den USA zu agieren und eine Mehrheit an einer Privatkunden-Einlagen verwaltenden US-Bank zu übernehmen. So wird die ICBC für 140 Mio. $ rund 80% der Anteile am US-Geschäft des Hongkonger Kreditinstituts Bank of East Asia erwerben. Dieses ist in einem relativ bescheidenen Rahmen mit 13 Zweigstellen in den Teilstaaten Kalifornien und New York vertreten.

Für das laufende Geschäft der ICBC als dem nach Bilanzsumme, Gewinn und Börsenwert weltgrössten Kreditinstitut spielt die Transaktion nur eine untergeordnete Rolle. Die regulatorische Freigabe ist jedoch ein wichtiger Fingerzeig dafür, dass die US-Behörden ihre Vorbehalte gegenüber den staatlich kontrollierten chinesischen Bankriesen relativiert haben und keine Veranlassung mehr sehen, sie vom amerikanischen Bankenmarkt fernzuhalten. Gleichzeitig mit dem Durchwinken des ICBC-Deals hat das Federal auch der Bank of China und der Agricultural Bank of China, ihres Zeichens die Nummern drei und vier unter den chinesischen Instituten, die Eröffnung von eigenen Zweigstellen in Chicago beziehungsweise in New York erlaubt.

Die Genehmigungen bringen die explizite Bescheinigung vom Fed, dass die bisweilen misstrauisch hinterfragten Bilanzierungsmethoden und Publizitätsstandards der chinesischen Banken keinen Anstoss mehr erregen. So heisst es in einem Statement, man sehe keine Anhaltspunkte dafür, dass sich die Bilanzierungspraktiken der chinesischen Banken als unzuverlässig erwiesen hätten. Gleichzeitig zeigt sich das Fed mit den Regulierungsstandards im chinesischen Bankensektor zufrieden.

Für die noch immer fast ausschliesslich auf ihren Heimatmarkt fokussierten und im Auslandsgeschäft sehr behutsam vorgehenden chinesischen Grossbanken zeichnet sich noch kein Eintritt in den US-Markt ab. Allerdings drängen die Institute, allen voran die ICBC, auf eine schleichende Diversifizierung ihres gewaltigen Heimatgeschäfts und den Aufbau einer globaleren Präsenz, zuletzt vor allem mit Übernahmen in Südamerika und in Afrika.

 

 

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